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Zeitungsbericht Zuger Zeitung online vom 14.07.2026

2026-07-14

Pfadi Cham plant neues Heim für 3,4 Millionen Franken

Raus aus dem «Alten Haus von Rocky Docky»: Pfadi Cham soll neues Heim für 3,4 Millionen Franken erhalten

Nach Jahrzehnten in zwei sanierungsbedürftigen Pfadiheimen wagt der Verein Pfadiheim Cham einen millionenschweren Neuanfang. Damit der Traum Realität wird, ist das Vorhaben aber auf Unterstützung angewiesen.

Darum geht es

  • Pfadi Cham plant im Eizmoos einen Neubau für rund 3,4 Millionen Franken.
  • Das neue Heim soll zwei sanierungsbedürftige Standorte der Pfadi Winkelried zusammenführen und mehr Platz bieten.
  • Für den Bau fehlen noch Gelder; Gemeinde, Stiftungen und Spenden sollen das Projekt mitfinanzieren.
Visualisierung des neuen Pfadiheim Cham mit genügend Velostellplätzen.

Vor dem Pfadiheim sind 30 bis 40 Velostellplätze geplant. Autos sollen dagegen nur ausnahmsweise zum Materialtransport genutzt werden.

Visualiserung: zvg/Verein Pfadiheim Cham

Im gelben Haus mit den braunen Jalousien riecht es nach Moder und feuchtem Leder. «Wir nennen es das alte Haus von Rocky Docky», erzählt Jean Luc Mösch, Präsident des Vereins Pfadiheim Cham. Seit seiner Zeit bei der Pfadi vor mehr als 40 Jahren habe sich im Pfadiheim Friesencham kaum etwas verändert. Es entspreche längst nicht mehr den heutigen Anforderungen. Nicht nur der Zustand des Gebäudes, sondern auch die geplanten Änderungen um das Gebiet Friesencham im Rahmen der Ortsplanungsrevision hätten den Ausschlag für den Neubau gegeben.

Ein kleines, verlottertes, gelbes Haus, das Pfadiheim Friesencham

Das Pfadiheim in Friesencham ist ein ehemaliges Bauernhaus und wird von der Pfadi seit den 1970er-Jahren genutzt.

Bild: zvg/Jean Luc Mösch

Mit dem neuen Gebäude werden zwei bisher getrennte Standorte der Pfadi Winkelried zusammengeführt. Denn auch das Wölfliheim Eizmoos, das Heim der jüngsten Pfadiabteilung, ist sanierungsbedürftig und muss dem Neubau weichen. «Es hat gute Dienste geleistet, wurde aber nicht für Jahrzehnte gebaut», erklärt Joel Baumann, Co-Abteilungsleiter der Pfadi. Den Entscheid für einen Ersatz begrüsst er deshalb.

Der Verein Pfadiheim Cham hat das Baugesuch am 29. Juni bei der Gemeinde Cham eingereicht. Das Projekt liegt noch bis zum 21. Juli öffentlich auf. Läuft alles nach Plan, könnten die Bauarbeiten im März 2027 beginnen.

Ganz ohne Pfadiheim wird die Abteilung während der Bauzeit aber nicht sein. Das Wölfliheim wird auf das benachbarte Grundstück verschoben und an den Verein ZuKi aus Cham abgetreten. Die jüngsten Pfadis dürfen es bis zum Neubau weiterhin als Treffpunkt nutzen. Die älteren Abteilungen bleiben bis zur Eröffnung des Neubaus in Friesencham.

Wölfliheim Eizmoos

Das Wölfliheim Eizmoos bietet wenig Umgelände für Aktivitäten und Spiele.

Bild: zvg/Jean Luc Mösch

Genug Platz für den Pfadialltag

«Das neue Pfadiheim wird unseren Bedürfnissen völlig entsprechen», ist Abteilungsleiter Baumann überzeugt. Der dreigeschossige Neubau wird deutlich grösser als das jetzige Wölfliheim Eizmoos und bietet genügend Platz für die 130 Kinder und Jugendlichen sowie die etwa 20 Leitenden der Pfadi Winkelried. Zwar entstehen lediglich 50 Schlafplätze, für die Pfadi sei das jedoch kein Problem: «Wir sind viel draussen und im Wald», so Baumann. Ausserdem seien nie alle Altersstufen gleichzeitig vor Ort.

Neben den Schlafsälen entstehen mehrere Gruppenräume, ein grosser Mehrzwecksaal, eine Küche sowie Werk-, Material- und Lagerräume. Unter einem grossen Vordach können sich die Pfadis auch bei schlechtem Wetter oder Hitze aufhalten.

Das Nebengebäude bietet genügend Stauraum für Lagermaterial wie lange Zeltstangen.

Visualisierung: zvg/Jean Luc Mösch

Ein Haus für die Bevölkerung

Künftig soll das Heim aber nicht ausschliesslich der Pfadi dienen. Geplant sind Vermietungen an Vereine, Gruppen und Lager – ähnlich wie beim Pfadiheim Oberarth im Kanton Schwyz, das den Chamern als Vorbild diente. Die Einnahmen aus diesen Vermietungen sollen helfen, den Betrieb langfristig zu finanzieren. Zwar sind die Preise noch offen, für einheimische Gruppen sind jedoch vergünstigte Konditionen vorgesehen.

Besonderes Augenmerk legt der Verein zudem auf die Barrierefreiheit. Deshalb wurden die Pläne mit dem Chamer Jan Graf, Gründer von Inkludô, besprochen und entsprechende Anpassungen am Konzept vorgenommen: «Er hat uns erzählt, dass Fliesen oder grober Kies nicht gut für Rollstuhlfahrer geeignet sind», berichtet Mösch.

Das Pfadihaus soll für mehrere Generationen bestehen. Auch deshalb setzt das Projekt auf Nachhaltigkeit: Geplant sind eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage und ein begrüntes Dach. Im Aussenbereich entstehen heimische Hecken als Lebensraum für Wildbienen und Igel. Gleichzeitig bleibt genügend Platz für Lagerbauten und Zelte.

Freiwillige leisten Tausende Stunden Arbeit

Noch ist die Finanzierung nicht vollständig gesichert. Rund 3,4 Millionen Franken kostet der Neubau. Der Verein hofft auf Beiträge der Gemeinden Cham und Steinhausen, auf Unterstützung von Stiftungen und auf Spenden aus der Bevölkerung. «Jeder Rappen zählt», betont Mösch. «Wir sind um jede Unterstützung heilfroh.» Mehr als 108’000 Franken sind, bereits zusammengekommen.

Mindestens ebenso wichtig wie Geld ist für den Verein jedoch die Freiwilligenarbeit. Rund 1’500 Stunden haben Helferinnen und Helfer bereits geleistet. Ehemalige Pfadfinder planen Elektroinstallationen oder bringen ihr Fachwissen ein. Genau diese Gemeinschaft schätzt Mösch an der Pfadi besonders: «Irgendwie kommt man ins Feuer der Pfadi und nimmt es sein Leben lang mit», sagt er.

Unterstützt wird das Projekt zudem von einem Patronatskomitee. Diesem gehört unter anderem Bundesrat Martin Pfister an, der selbst früher Pfadfinder war. Laut Mösch soll das Gremium das Vorhaben ideell unterstützen und sein Netzwerk zugunsten des Neubaus einbringen.

Eröffnung ist für Mai 2028 geplant

Läuft alles nach Plan, soll das neue Heim am 6. Mai 2028 eröffnet werden. Da das Gebäude aus vorgefertigten Holzelementen besteht, dürfte der eigentliche Aufbau rasch vorangehen. «Wir von der Pfadi freuen uns sehr und warten gespannt», sagt Baumann.

Für Mösch ist das weit mehr als ein Bauprojekt. Er engagiert sich selbst seit 1974 für die Pfadi und versteht den Neubau deshalb als Investition in die nächste Generation. «Ein Dorf ohne Vereine lebt einfach nicht», ist er überzeugt. «Und wir wollen dafür sorgen, dass auch die nächste Generation einen Ort hat, an dem sie Pfadi erleben kann.»